Forscher • Entdecker • Ideenproduzent • Anwender
 

J.J. Becher
– der Mediziner

Nach multidisziplinären Studien wurde J.J.Becher 1652 zunächst Medizin-Professor in Mainz und Leibarzt des Kurfürsten. Arzneien und Heilmethoden hat der gelernte Mediziner vorgeschlagen und erprobt. Doch auch auf diesem Gebiet herrschte „Übergangsstimmung“ von der tradierten Heilkunde zur modernen Medizin. Da gab es noch Therapien und Medikamente der folgenden Art:

  • „Wann du was ziemlich stark hast in der Nacht gezecht, trink nüchtern drauf, es bringt dich wiederum zurecht.“ (J.J. Becher, Parnassus medicinalis ... 1663)
  • „Wenn man einen Schuß Pulver unter ein Maß Wasser rühret, und durchseuget, das löscht den Durst, und ist gesund wegen des Salpeters und Schwefees...das übrige ist nichts als Kohlen, und destoweniger zu scheuen.“ (J.J. Becher, Landmedicus , vor 1682)
  • „Gepülvert Menschenbein, gebräut in rotem Wein, Bauchfluß und Durchlauf stellet ein."
  • „Salbey in Wein gesotten und getruncken, ist gut gegen bösen Hals, und machet guten Atem.“ (J.J. Becher, Landmedicus)

Aber gleichzeitig entwickelten sich die Anfänge einer wissenschaftlichen Medizin; auch wenn man die Effekte noch nicht befriedigend erklären konnte, oder die moderne Begrifflichkeit fehlte. Man „ahnte“ oft mehr, als dass man „wusste“.
So sollte das Immunsystem mittels periodischer Reinigung des Geblüts mit einem wein-basierten Kräuter-Trunk (Wermutsamen, Rautenblätter, Blutwurz und Pfeffer) gestärkt werden. Richtiges Essen und Stress-Vermeidung gehörten ebenfalls zur „Grundversorgung“:

  • „So ihr gesund wollt sein, so stellt die Sorgen ein, veracht den Zorn und trinkt nicht übermäßig Wein. Man soll auch nur zu Nacht ein wenig Speisen essen, des Schlafens Nachmittag, das soll man gar vergessen. Hingegen soll man nach dem Essen etwas stehen, Harn, Wind und Stuhl muss man nicht übergehn.“ (J.J. Becher: Parnassus medicinalis 1663)

Eine ziemlich moderne Behandlungsabfolge wird empfohlen beim Dammriß (bei schwieriger Geburt):

  • Erstens: Operation
  • „Wann der Riß..noch frisch, so nehme der Chirurgus eine wohl gekrümmte Nadel mit einem starken gekrümmten Seiden-Faden versehen, fasse damit die Haut...“
  • Zweitens: Versorgung
  • „Wenn nun der Schade also fleißig wieder zusammengeheftet worden ist, so bestreiche man den gewesenen Riß mit (einer Salbe aus...)..“
  • Drittens: Verhalten („Rehabilitation“)
  • „Die Frau aber soll darauf 12 oder 14 Tage sich im Bette aufhalten.... sich vor...gewaltsamen Bewegungen hüten, keine..groben Speisen genießen...“

    (J.J. Becher: Parnassus medicinalis...sowie : Wohlerfahrner Landmedicus)